Das Geschäft mit der Wiedererkennung

Der gröss­te Film­trend der letz­ten 10 Jah­re ist ein­fach zu erklä­ren: Ori­gi­na­li­tät ist out und Wie­der­erken­nung ist in. Jeder Film der nicht niet- und Nagel­fest ist wird neu auf­ge­ar­bei­tet und zurück in die Kinos gebracht. Von klas­si­schen Dis­ney-Ani­ma­ti­ons­fil­men, zu Star Wars, Ghost­bus­ters und Har­ry Pot­ter. Es gibt in die­sem Jahr­hun­dert bereits drei ver­schie­de­ne Spi­der­men, drei ver­schie­de­ne Bat­men und gan­ze vier Joker. Der Grund dafür? Geld natür­lich.

Der durch­schnitt­li­che Kino­gän­ger geht lie­ber einen Film gucken, zu dem er bereits eine Ver­bin­dung hat. Am ein­fachs­ten geht das mit einer direk­ten Fort­set­zung, in der die Geschich­te des Ori­gi­nal­films wei­ter­ge­führt wird. Gemeis­tert hat das heut­zu­ta­ge Disney’s Mar­vel, mit bis jetzt 25 zusam­men­hän­gen Fil­men und 6 wei­te­ren, die bereits ange­kün­digt wur­den.

“Zurück in die Zukunft II” macht sich 1989 über unend­li­che Fort­set­zun­gen mit “Jaws 19” lus­tig. In Wirk­lich­keit hat die Rei­he nur bis “Jaws 4” über­lebt.

Remakes

Viel inter­es­san­ter als die Fort­set­zung fin­de ich aber das Remake und das ähn­li­che Reboot. Beim Remake wird ein älte­rer Film kom­plett neu ver­filmt. Die Daseins­be­rech­ti­gung eines Remakes wäh­re zum Bei­spiel eine Ver­bes­se­rung der Effek­te oder sogar eine muti­ge Neu­in­ter­pre­ta­ti­on der orgi­na­len Hand­lung, ange­passt an die heu­ti­ge Zeit. Zum Teil kann so was rich­tig gut wer­den, aber viel zu oft geht im Remake jeg­li­cher Charme des Ori­gi­nals ver­lo­ren.

Die bes­ten Bei­spie­le dafür sind die Dis­ney Live-Action-Remakes von ihren Ani­ma­ti­ons­klas­si­kern. Die visu­el­le Krea­ti­vi­tät eines Ani­ma­ti­ons­films kann ein­fach nicht über­zeu­gend in die “ech­te” Welt über­setzt wer­den, egal wie vie­le Kom­pu­ter­ef­fek­te gegen das Pro­blem gewor­fen wer­den. Abso­lut lächer­lich wur­de es dann, als Dis­ney ver­such­te “König der Löwen” in die­sem Stil umze­set­zen. Ohne einen ein­zi­gen Men­schen in der Hand­lung wur­de das Resul­tat mehr Natur­do­ku als Spiel­film. Die im Ori­gi­nal so leben­di­gen Gesich­ter der Tie­re sind im Remake emti­ons­los, schliess­lich sehen sie aus wie ech­te Tie­re und es wird unmög­lich sich als Mensch mit ihnen zu iden­ti­fi­zie­ren.

Reboots

Reboots hin­ge­gen sind eine Kom­bi­na­ti­on aus Fort­set­zung und Remake. Ein alter Film wird nach lan­ger Zeit fort­ge­setzt, aber so, damit man das Ori­gi­nal meiss­tens nicht gese­hen haben muss. Sehr beliebt sind Reboots der Fil­me der 80er und 90er. Juras­sic Park wur­de mit “Juras­sic World” zurück­ge­holt, Star Wars star­tet eine neue Tri­lo­gie mit “The Force Awa­kens” und Ghost­bus­ters muss­te gleich zwei mal in den letz­ten 5 Jah­ren wider­auf­er­ste­hen, mit “Ghost­bus­ters” (2016) und “Ghost­bus­ters: After­li­fe” letz­tes Jahr. Alle waren natür­lich extrem erfolg­reich, auch wenn sie spä­tes­tens mit ihren Fort­set­zun­gen qua­li­ta­tiv abstürz­ten.

Fazit

Hol­ly­wood sucht ver­zwei­felt nach Mate­ri­al, denn die Kino­kas­sen sen­den eine ein­deu­ti­ge Nach­richt: Ori­gi­na­li­tät ist ris­kant, Wie­der­erken­nung ist es nicht. Wie lan­ge sich die­ser Trend auf­recht­erhal­ten kann, bleibt abzu­war­ten. Jedes mal wenn ich den­ke, die Fans haben lang­sam genug von end­lo­sem Star Wars, Spi­der­man oder Bat­man, kommt ein Film, wes­sen rie­si­gem Erfolg dem wider­spricht. Im Fall von Star Wars konn­te Dis­ney das Fran­chise mit der “The Man­dalo­ri­an” Serie ret­ten. Ihr Fazit dar­aus war natür­lich MEHR Star Wars-Seri­en zu pro­du­zie­ren, die bereits wie­der qua­li­ta­tiv den Bach her­un­ter gehen.
Natür­lich gibt es bei dem The­ma auch kla­re Aus­sen­sei­ter. Das Bla­derun­ner-Reboot “Bla­derun­ner: 2049” ist einer mei­ner abso­lu­ten Lieb­lings­fil­me und den neu­en Bat­man fand ich eben­falls fan­tas­tisch. Das Pro­blem ent­steht, wenn sich die Stu­di­os so sehr auf Trends oder das zufrie­den­stel­len von Fans kon­zen­trie­ren, dass sie ver­ges­sen rich­ti­ge Fil­me zu machen. Es ist eine ver­zwei­fel­te Tak­tik, ent­stan­den als Reak­ti­on die zuneh­men­de Lust­lo­sig­keit der durch­schnitt­li­chen Kino­gän­ger.

Eine wei­te­re Ursa­che die­ser Lust­lo­sig­keit ist jedoch momen­tan DAS gros­se The­ma der Film­in­dus­trie: Strea­ming. In mei­nem nächs­ten Bei­trag schrei­be ich über den Auf­stieg der Strea­ming-Diens­te, wie Fil­me und Seri­en immer ähn­li­cher wer­den und wie sich die Pan­de­mie auf auf unse­ren Film­kon­sum aus­ge­wirkt hat.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert