Zwischen Lernen und Arbeiten: Jugendliche im Neben- und Ferienjob

Zwi­schen Schu­le, Ler­nen und Frei­zeit ent­schei­den sich immer mehr Jugend­li­che dafür, zusätz­lich zu arbei­ten. Die Grün­de dafür sind ver­schie­den: Geld spa­ren, die Fami­lie unter­stüt­zen oder ein­fach eine sinn­vol­le Beschäf­ti­gung fin­den. Zwei Schü­le­rin­nen aus der Regi­on erzäh­len, wie sie ihren All­tag zwi­schen Unter­richt und Job meis­tern – und was sie dabei über sich selbst gelernt haben.

„Ich helfe meiner Mutter mit der Miete“ – Natasha über ihren Nebenjob

Nata­sha, 17 Jah­re alt und Schü­le­rin der zwei­ten Klas­se der BMS, arbei­tet jeden Sams­tag in einem Coif­feur­sa­lon am Klos­ter­berg. Sie ist eher zufäl­lig zu ihrem Job gekom­men – über einen Whats­App-Sta­tus. „Ich habe gepos­tet, dass ich etwas suche, das ich sams­tags machen kann“, erzählt sie. Kurz dar­auf mel­de­te sich eine Kol­le­gin: Eine Prak­ti­kan­tin hat­te gekün­digt.

Seit­dem arbei­tet Nata­sha jeden Sams­tag fünf Stun­den lang. Ihre Auf­ga­ben sind viel­fäl­tig: auf­räu­men, Wäsche machen, Haa­re waschen. Am meis­ten gefällt ihr der Kon­takt mit unter­schied­li­chen Men­schen: „Ich kann mit sehr vie­len ver­schie­de­nen Per­so­nen reden.“

Ihr Lohn – rund 20 Fran­ken pro Stun­de – fliesst nicht in Frei­zeit oder Shop­ping, son­dern in die Haus­halts­kas­se. „Ich hel­fe mei­ner Mut­ter mit den Neben­kos­ten“, sagt sie. Die Ent­schei­dung, zu arbei­ten, traf sie aus Ver­ant­wor­tung.

Ganz ohne Kon­flik­te lief der Job trotz­dem nicht: Eine Aus­ein­an­der­set­zung mit einer Mit­ar­bei­te­rin brach­te sie kurz­zei­tig an den Rand einer Kün­di­gung. „Ich woll­te nicht mehr mit ihr zusam­men­ar­bei­ten“, erin­nert sich Nata­sha. Doch sie klär­ten den Streit – heu­te ist wie­der alles gut.

Schu­le und Arbeit las­sen sich für sie „okay“ ver­bin­den, auch wenn der Sams­tag­nach­mit­tag weg­fällt. Einen Ein­fluss auf ihre Moti­va­ti­on hat der Job nicht, aber sie hat etwas Wich­ti­ges gelernt: schnell Lösun­gen fin­den, auch unter Druck. „Das lernt man nicht in der Schu­le“, sagt sie über­zeugt.


„Ich wollte nicht nur rumsitzen“ – Yezda über ihren Ferienjob

Ganz anders sieht es bei Yez­da, 18 Jah­re alt, aus der Klas­se R3F aus. Sie arbei­tet nicht wäh­rend der Schul­zeit, son­dern nur in den Som­mer­fe­ri­en – und das bei ihrem Vater in der Pro­duk­ti­on. „Ich brauch­te ein­fach eine Beschäf­ti­gung“, sagt sie, „und ich woll­te Geld ver­die­nen.“

Drei Wochen lang arbei­te­te sie von Mon­tag bis Frei­tag, jeweils acht Stun­den am Tag. Sie bau­te Elek­tro­tei­le, berei­te­te Kar­tons vor und half beim Ver­pa­cken von Metall­tei­len. Ihr Lohn: rund 1’900 Fran­ken für die drei Wochen.

Dass sich der Job gut mit der Schu­le ver­ein­bart, ver­steht sich von selbst: Sie arbei­te­te aus­schliess­lich in den Feri­en. Ihre Fami­lie fand es toll, die Leh­rer beka­men davon kaum etwas mit.

Beson­ders geschätzt hat sie die ent­spann­te Atmo­sphä­re: „Die Auf­ga­ben waren chil­lig und ich konn­te Pau­se machen, wann ich woll­te.“ Trotz­dem gab es auch Momen­te, in denen ihr die Moti­va­ti­on fehl­te – vor allem mor­gens. Ein­mal dach­te sie sogar ans Auf­hö­ren. Doch sie blieb, bis die drei Wochen vor­bei waren.

Geld spart sie nicht für etwas Spe­zi­el­les – es fliesst ein­fach in den All­tag. Und ob Jugend­li­che arbei­ten soll­ten? „Das kommt dar­auf an“, meint sie. „In den Feri­en ist es eine gute Idee. Aber man muss sel­ber wis­sen, ob es passt.“


Jugendliche zwischen Verantwortung und Selbstständigkeit

Die Gesprä­che zei­gen zwei unter­schied­li­che Lebens­rea­li­tä­ten: Nata­scha arbei­tet aus finan­zi­el­ler Not­wen­dig­keit; Yez­da aus Inter­es­se und zur Beschäf­ti­gung. Bei­de beto­nen aber, dass Arbeit Jugend­li­chen etwas bei­brin­gen kann, das in der Schu­le kaum Platz fin­det: Selbst­stän­dig­keit, Ver­ant­wor­tung und den Umgang mit Men­schen und Kon­flik­ten. Und bei­de sind sich einig: Arbei­ten soll kei­ne Über­las­tung sein. Die Balan­ce muss stim­men – zwi­schen Schu­le, Frei­zeit und dem eige­nen Wohl­be­fin­den.

Quel­len:
– Inter­view mit Nata­scha, 17, Schü­le­rin BMS
– Inter­view mit Yez­da, 18, Schü­le­rin R3F

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