KI im Schulalltag

Ler­nen wir noch etwas? Und muss der Unter­richt wegen KI ver­än­dert wer­den?

Um 07:57 Uhr füllt sich das Klas­sen­zim­mer. Lap­tops gehen auf, Bild­schir­me leuch­ten und noch bevor der Unter­richt beginnt, sieht man über­all offe­ne KI-Tools. Kaum erklärt die Lehr­per­son den ers­ten Auf­trag, tip­pen vie­le nur eine Fra­ge ein, weni­ge Sekun­den spä­ter erscheint die Lösung. Wäh­rend wir beob­ach­ten, wie selbst­ver­ständ­lich KI gewor­den ist, stel­len wir uns unse­re Leit­fra­ge: Ler­nen wir über­haupt noch etwas selbst, und muss sich der Unter­richt ver­än­dern?

KI im Unter­richt, unse­re Beob­ach­tun­gen

Im Unter­richt fällt uns auf, wie oft KI genutzt wird. Vie­le las­sen sich Begrif­fe erklä­ren oder Zusam­men­fas­sun­gen erstel­len. Ein Schü­ler erzählt uns im Gespräch, dass er ChatGPT und Per­ple­xi­ty täg­lich ver­wen­det, vor allem, um Auf­ga­ben schnel­ler zu ver­ste­hen und Feh­ler zu ver­mei­den. Bei kom­ple­xe­ren Fächern wie Geschich­te hel­fe KI beson­ders viel, erklärt er, weil man da nicht ein­fach raten kann wie in Mathe.

Eine Umfra­ge an allen WMS-Stand­or­ten im Basel­biet zeigt ein kla­res Bild:

70 Pro­zent nut­zen KI täg­lich, nur eine Per­son nie.
Die häu­figs­ten Grün­de sind Erklä­run­gen (25), Zusam­men­fas­sun­gen (20), Text­prü­fung (18) und Über­set­zun­gen (15). KI wird damit längst in fast allen Fächern ein­ge­setzt, am häu­figs­ten in Geschich­te und Poli­tik (24), Fran­zö­sisch (23), Tech­nik und Umwelt (20) sowie Wirt­schaft und Recht (18).

Bemer­kens­wert ist auch, dass 90 Pro­zent der Befrag­ten ange­ben, dass sich ihre Noten durch KI ver­bes­sert haben. Gleich­zei­tig schrei­ben meh­re­re, dass sie fau­ler gewor­den sind und weni­ger selbst suchen.

Inter­view mit einem Schü­ler und einer Lehr­per­son

Ein Schü­ler beschreibt uns, dass KI sein Lern­ver­hal­ten ver­än­dert hat. Er sagt: „Ich spa­re Zeit, aber ich kon­trol­lie­re vie­les trotz­dem.“ Manch­mal schaue er die Ant­wor­ten aber nicht gründ­lich durch, weil er kei­nen Bock habe. Auf die Fra­ge, ob er Angst habe, zu abhän­gig zu wer­den, meint er: „Eigent­lich will ich eher mehr abhän­gig wer­den, KI hilft mir ein­fach viel.“

Ein IKT-Leh­rer sieht das dif­fe­ren­zier­ter. Er beob­ach­tet, dass KI auch in Prü­fun­gen genutzt wird, fin­det aber wich­tig, dass alle die­sel­ben Mög­lich­kei­ten haben. Er sagt: „Nicht jeder kann sich GPT Plus leis­ten, das darf nicht über Erfolg ent­schei­den.“ Er betont, dass Schü­ler ler­nen müs­sen rich­tig zu promp­ten und sieht sowohl Risi­ken als auch Chan­cen. „Weni­ger selbst ler­nen ist mög­lich, aber KI kann Lern­pro­zes­se auch ver­bes­sern.“ Lang­fris­tig kön­ne er sich sogar vor­stel­len, dass KI irgend­wann Lehr­per­so­nen ersetzt.

Was bedeu­tet das für die Schu­le

Unse­re Recher­che zeigt, dass sich die Lern­rea­li­tät der Schü­ler stark ver­än­dert hat, der Unter­richt aber kaum. Die Schu­le arbei­tet oft noch mit ana­lo­gen Metho­den, wäh­rend KI den Schü­lern bereits Erklä­run­gen, Bei­spie­le, Übun­gen und Struk­tur lie­fert. Ver­bo­te brin­gen wenig, da KI ohne­hin genutzt wird. Sinn­vol­ler wäre ein Unter­richt, der kri­ti­sches Den­ken stärkt, zeigt wie man KI-Ant­wor­ten über­prüft, Daten­schutz und Risi­ken erklärt, digi­ta­le­re Lern­we­ge ermög­licht, Auf­ga­ben stellt, die Ver­ständ­nis statt Abschrei­ben ver­lan­gen und den Umgang mit KI und Prompts aktiv ver­mit­telt.

Auch die Schü­ler selbst wün­schen sich das. In den Umfra­ge­ant­wor­ten tau­chen Begrif­fe wie ein­fa­che­re Erklä­run­gen, ange­neh­mer, weni­ger Auf­wand, aber auch fau­ler und Gefahr des Nicht­ler­nens auf. Genau hier liegt das Span­nungs­feld der Zukunft.

Ler­nen die Schü­ler noch etwas

Ja, aber anders. KI ersetzt nicht das Den­ken, aber sie ersetzt müh­sa­me Wege. Lan­ges Suchen, kom­pli­zier­te Tex­te und unkla­re Erklä­run­gen fal­len weg. Vie­le ver­ste­hen heu­te mehr, weil KI indi­vi­du­ell und ver­ständ­lich erklärt. Ler­nen fin­det also wei­ter statt, nur schnel­ler und digi­ta­ler.

Muss der Unter­richt geän­dert wer­den

Ja, ein­deu­tig. Nicht weil KI ein Pro­blem ist, son­dern weil der Unter­richt sonst nicht mehr zur Rea­li­tät der Ler­nen­den passt. Wenn 70 Pro­zent täg­lich KI nut­zen und 90 Pro­zent bes­se­re Noten haben, braucht es Unter­richt, der mit KI arbei­tet und nicht gegen sie. Unse­re Ant­wort lau­tet des­halb:
Schü­ler ler­nen wei­ter­hin, aber der Unter­richt muss sich ver­än­dern. Die Zukunft liegt nicht im klas­si­schen Ler­nen oder in der KI, son­dern im Ler­nen mit KI. Wie gut das funk­tio­niert, hängt am Ende nicht von der KI ab, son­dern davon wie wir sie nut­zen.

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